Ausstellung

Imitation of Life ist eine neue filmische Arbeit und Installation des Künstlers Mathias Poledna.

Der etwa dreiminütige 35-mm-Farbfilm wurde in der historischen, arbeitsintensiven Technik eines handgefertigten Zeichentrickfilms produziert und präsentiert eine neu entwickelte Cartoon-Figur im Zentrum eines Musikstückes. Die animierte Atmosphäre und visuelle Textur der Arbeit erinnert an die Hochzeit der amerikanischen Trickfilmindustrie in den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren. Diese hatte sich während und im Nachlauf der großen Depression innerhalb nur weniger Jahre von einer einfachen Form des Massenspektakels zu einem Medium mit einer äußerst reichen und komplexen Bildsprache entwickelt, die unsere kollektive Vorstellungswelt bis heute nachhaltig prägt.

Imitation of Life eignet sich diese Sprache an, montiert sie neu und greift zugleich die Wider-sprüchlichkeiten und Ambiguitäten auf, die das Medium seit seinen Anfängen begleiten. Modernste Produktionsmethoden und ein visueller Reichtum, der vielfach der Syntax der europäischen Moderne und ihrem Umgang mit Oberfläche, Tiefe und Farbe geschuldet war und von der damaligen Avantgarde und kritischen Intelligenz gepriesen wurde, koexistierten in ihr mit sentimentalen Charakteren und der Märchen- und Fabelwelt entlehnten erzählerischen Formen.

Zu den besonderen Eigenschaften des Films zählt der außerordentliche Kontrast zwischen der Prägnanz der Szene und dem enormen Arbeits-aufwand, der für ihre Herstellung eingesetzt wurde: Mehr als 5.000 handgezeichnete Skizzen, Layouts, Zeichnungen, aquarellierte Hintergründe und Tuschezeichnungen auf Folie entstanden dafür in engster Zusammenarbeit mit namhaften Künstler_innen aus den Animationsabteilungen von Filmstudios in Los Angeles, insbesondere Disney. Einige dieser Zeichnungen sind im österreichischen Pavillon zu sehen.

Der Soundtrack, ein zentrales Element in der Produktionsgeschichte der Arbeit, verbindet für das Projekt komponierte Originalmusik mit einem neuen Arrangement eines populären Songs der 1930er-Jahre von Arthur Freed und Herb Nacio Brown und wurde in voller Orchestrierung im Stil der Zeit auf einer historischen Scoring Stage der Warner Brothers Studios in Los Angeles eingespielt.

Im Kontext ihrer Präsentation in Venedig ermöglicht Polednas Installation ein komplexes Gegenlesen mit anderen historischen Momenten: dem Verhältnis von europäischer Kunst und amerikanischer Massenkultur, europäischer Emigration in die Vereinigten Staaten und amerikanischen Exporten nach Europa, der Präsentation von Filmen der Disney Studios bei den ersten Filmfestspielen von Venedig, der spätmodernistischen Architektur des österreichischen Pavillons sowie der Zeit von 1938 bis 1942, als das Gebäude leer stand, während österreichische Künstler_innen ihre Arbeiten im deutschen Pavillon ausstellten.

Neben der Auseinandersetzung mit Animation verarbeitet Imitation of Life in seiner flüchtigen Szenenfolge auch andere Elemente aus der frühen Unterhaltungsgeschichte, von Varieté und Stummfilmkomödien bis hin zu Filmmusicals, und bedient sich zugleich verschiedener künstlerischer Formen zwischen Film, Musik, Malerei und Literatur. Polednas Arbeit folgt damit der synergistischen Logik ihres Mediums, entzieht sich jedoch einem nahtlosen Ganzen und erscheint auf diese Weise gleichermaßen fremd und gänzlich wiedererkennbar.

Die Ausstellung ist von Kommissär Jasper Sharp kuratiert. Der Film wird in einem von den Architekten Kuehn Malvezzi entworfenen temporären Anbau des österreichischen Pavillons präsentiert.